Peter Gehrisch

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ORPHEUS / ORFEUSZ  

Den Beginn der Veranstaltungen bestritt eine Gruppe deutscher und polnischer Autorinnen und Autoren, die – entsprechend der Idee von Renata Maria Niemierowska, Breslau – im September 1999 auf eine Reise zu den Grenzquellen auf niederschlesischen und böhmischem Boden gingen. Im Oktober 2000 folgte ein Arbeitstreffen in Bad Muskau. Ihren Niederschlag fanden die Ergebnisse der Zusammenkünfte in Texten, die in Breslau, Kłodzko, Bad Kudowa, Zgorzelec, Görlitz, Bautzen, Leipzig u.a. vor einem Publikum vorgestellt wurden. Seit 2003 finden solche Treffen in Lwówek śląski (Niederschlesien) statt.

Dokumentiert sind Treffen und Texte u.a. in Manuskripte, Zeitschrift für Literatur, Hefte 145, 148, Graz 1999, 2000; „Orpheus. Das Gespräch im Wort”, poetischer Bericht zum Treffen in Bad Muskau, Dresden 2000; OSTRAGEHEGE, Zeitschrift für Literatur und Kunst, Dresden, Hefte 16 (1999) und 18 (2000); CZAS KULTURY, 4/2000, Poznań; „Orpheus versammelt die Geister. Stimmen aus der Mitte Europas”, Anthologie, hrsg. von Peter Gehrisch und Axel Helbig, Dresden 2005

"Orpheus ... – Mir schwebt da ein Bild vor, das den beseelenden Sänger zeigt, Orpheus, der die ganze Natur aus der Starre befreit. Mit seinem Gesang erweckt er Bäume, Wiesen, die ganze Landschaft zum Leben, jede Kreatur erhält ihren Platz und Daseinssinn. – Dieses Bild vor Augen, blicke ich auf den Zustand der Welt von heute. Ich sehe: Zwei riesige Mächte beeinflussen das Handeln des Menschen: das Wachstum des Kapitals und die enorme Kraft eines Geistes, der nach einer Lösung strebt, eines Geistes, wie ihn Jan Paweł II. verkörpert hat und wie er noch immer fortwirkt. – Wirklich: Der Geist kann erstaunliche Dinge bewegen. Ossip Mandelstam beispielsweise beschreibt die Wirkung des europäischen Geistes: Ohne ihn – so meint er – und seine Werke sei Europa nicht einmal Amerika: es sei eine zivilisierte Sahara, gottverflucht, ein Greuel der Verwüstung. Ohne den Geist und seine Werke würden wie vordem europäische Kremls und Akropolen dastehen, gotische Städte, Kathedralen, die Wäldern gleichen, runde Tempel mit Kuppeln, doch die Menschen würden sie anschauen, sie nicht verstehen und viel eher noch vor ihnen erschrecken, weil sie nicht begriffen, welche Kraft sie hervorgebracht hat und welches Blut in den Adern dieser mächtigen Architektur fließt, die sie umgibt. – Es sind Genies, deren Wirkung zu großem Erstaunen führen, die der Epoche ihren Geist aufprägen, und die die stets erhoffte Wende herbeiführen können."

[Aus: Worte zur Eröffnung der Veranstaltung „Orpheus versammelt die Geister“ am 20. Mai 2005 im Alten Rathaus in Lwówek śląski]